Fette für das Auto

Neben dem Öl ist das Fett die wichtigste Komponente zur Schmierung von mechanischen Einzelteilen. Egal ob für das Auto, Motorrad, im Marine Bereich oder in der Industrie. Eine Schmierung durch Fett benötigen zum Beispiel Lager, Batterien, Gelenke, Führungen, Schienen und viele mehr. Dadurch soll wie beim Öl die Reibung minimiert und Überhitzungen vermieden werden. Eine geringere Reibung führt letztlich zu höheren Leistungen und eine längere Lebensdauer der Einzelteile.

Allerdings sind die Fette nicht alle gleich, sondern unterscheiden sich in ihrer Zusammensetzung. Fette sind somit wie Öle, auf spezielle Bedingungen zugeschnittene Produkte. Dies macht sich unter anderem in ihrer Temperaturbeständigkeit, Konsistenz, Verdickungsmitteln und zusätzlichen Additiven bemerkbar.

In diesem Artikel möchten wir Ihnen zeigen, welche unterschiedlichen Fette es gibt und wie Sie unter all diesen ein passendes Fett finden.

 

Zusammensetzungen von Fetten:

Schmierfette bestehen zu 70-80% aus Grundölen, die für die eigentliche Schmiereigenschaft des Fettes sorgen. Zusätzlich mit Additiven und Verdickern versetzt, erhält das Fett seine typische Konsistenz. Ihre typische Produktverpackung ist eine Tube, die mittels einer Fettpresse ausgedrückt wird.

 

Fette werden im Marine- und KfZ-Bereich wie auch in der Industrie verwendet, bei denen sie unterschiedlichsten Anforderungen unterliegen. Anhand derer werden spezielle Fette hergestellt. Temperaturbeständigkeit, Konsistenz und eine perfekte Haftung auf metallischen Oberflächen sind dabei nur drei wichtige Eigenschaften, die ein gutes Schmierfett aufweisen muss. Hinzu kommt, dass bei LKW´s bspw. die Gleit- und Wälzlager besonders stark beansprucht werden oder im Marine Bereich das Fett dem salzhaltigen Wasser bestehen muss.

 

Die speziellen Fette werden hinsichtlich ihrer Eigenschaften mit Kennzeichnungen und Normen versehen, die entweder der Produktbeschreibung oder auf der Produktverpackung zu entnehmen sind. Ohne nötiges Hintergrundwissen dazu, kann es dabei schnell zu Verwirrungen kommen. Dieses Hintergrundwissen möchten wir Ihnen im Folgenden vermitteln.

 

Kennzeichnungen von Fetten:

Ausgangspunkt bildet die Spezifikation für Hydrauliköle auf Mineralölbasis. Die Anforderungen an das Hydrauliköl werden international mit der ISO 6743 (International Organisation for Standardisation) Kennzeichnung und parallel in Deutschland mit der  DIN 51 524 (DIN = Deutsche Industrie Normung) festgelegt.  Laut der DIN 51 524 lassen sich die Öle weiter gliedern. In diesem Fall ist die Gliederung der DIN 51 517 relevant. Es stellt die Anforderungen an ein Hydrauliköl ohne Wirkstoffzusätze. Parallel dazu gilt die DIN 51 502, durch die eine Kennzeichnung der Schmierfette mittels einzelner Buchstaben oder Zahlen möglich ist.

 

Anhand dieser Buchstaben und Zahlen können direkt die Informationen entnommen werden, welche Konsistenz das Fett hat, für welchen Einsatzbereich es geeignet ist und welchen Extremtemperaturen es standhält.

 

Die Buchstaben und Zahlen dazu werden im Folgenden erklärt:

 

Der erste Buchstabe: (1.)
Der zweite Buchstabe: (3.)
K    Normalschmierfett C und D +60 Grad
KP    Schmierfett K mit EP-Wirstoffen (Hochdruckfett) E und F +80 Grad
KF    Schmierfett K mit Festschmierstoffen (MoS2,Graphit,PTFE) G und H +100 Grad
KPF    Schmierfett mit EP und Festschmierstoff K und M +120 Grad
KSI    Silikat Schmierstoff N +140 Grad
G    Schmierstoff für geschlossene Getriebe P +160 Grad
OG    Schmierfett für offene Getriebe und Verzahnung R +180 Grad
    S +200 Grad
    T +220 Grad
    U  Über +220 Grad
       
Die erste Zahl für die NLGI Klassen: (2.)
Internationale NLGI Klassen
000    Fleißend G Radlager
00    Flüssig / Fast fließend LA und LB Chassis
1    Sehr weich GA, GB und GC Radlager
2    Weich, geschmeidig    
3    Mittelfest    
4    Fest    
5    Sehr fest    
6    Äußerst fest    
 
* Die NLGI-Klassen (National Lubricating Grease Institute) sind ein Index für die Konsistenz des Fettes

 

Neben der Zahl für die Höchsttemperatur zur Anwendung des Fettes, ist meist am Ende der Kodierung die untere Temperaturgrenze hinterlegt. Bspw. "-30" verweist dann auf eine maximal anzuwendende Niedrigtemperatur von Minus 30 Grad. Es kann sogar eine minimale Temperatur von bis zu -60 Grad erreicht werden.

 

Verdicker für Schmierfette:

Wie eingangs erwähnt, werden die Grundöle samt Additiven mit Verdickern versetzt, die ihnen die charakteristische Konsistenz gibt. Bei Schmierfetten können folgende Mittel als Verdicker dienen:

 

- Aluminiumseife
- Bariumseife, Bariumkomplexseife oder Bariumsalz
- Calciumseife, Calciumkomplexseife oder Calciumsalz
- Lithiumseife, Lithiumkomplexseife oder Lithiumsalz
- Natriumseife, Natriumkomplexseife oder Natriumsalz
- Silikat
- Polynharnstoff
- Anorganische Verdicker

 

Je nach Zusammensetzung der Fette entstehen somit individuelle Schmierfette. Gängig sind dabei Normalfette, Mehrzweckfett, EP-Fett (Extremdruckfette) , Hochtemperaturfette und Fette zur Schmierung, bei der Lebensmittel in Kontakt treten könnten. Letzteres wird aus weniger chemischen Additiven hergestellt, um die Lebensmittel bei einer Kontaktnahme nicht zu verunreinigen. 

 

Freigaben für Fette:

Neben den ISO-Klassen können Fette auch Freigaben unterliegen. Das ist allerdings eher die Seltenheit. Falls Sie die passende Freigabe bei einem Fett nicht finden, orientieren Sie sich an die ISO-Standards.

 

Praxisbeispiel Mehrzweckfett Ravenol:

 

Ravenol Mehrzweckfett

Schauen wir uns dazu das Ravenol Mehrzweckfett an. Die relevanten Daten sind unmittelbar auf dem blauen Balken zu entnehmen: NLGI Klasse 2, DIN 51502: KPF2K-30. ISO 6743: ISO-L-XCCIB2

 

Wie bereits erwähnt, weist das Produkt die internationale ISO 6743 Norm auf sowie die für den deutschen Raum DIN 51502 Norm. Beide Normen geben im Endeffekt dieselben Informationen preis. Wir schauen uns jedoch nur die deutsche Norm im Genaueren an.

 

Die Kennzeichnung auf der Produktverpackung unseres Beispiels lautet: KPF2K-30. Mittels der oben genannten Codes erhalten wird folgenden Informationen:

 

KPFSchmierfett K mit EP und Festschmierstoff. Der Festschmierstoff MoS2 steht zudem im Produktnamen.MoS2 oder auch Molybdän(IV)-sulfidgenannt, ist dabei ein grauschwarzes, kristallines Sulfid.

 

2 Verweist auf die NLGI Klasse 2. Die Konsistenz des Fettes ist somit weich bzw. geschmeidig.


KVerweist auf die maximale Hochtemperatur von 120 Grad, bei der das Fett aktiv arbeitet.(Das Ravenol Fett ist in diesem Fall sogar bei  bis zu +130 Grad anwendbar)


-30Verweist auf die maximale Niedrigtemperatur von -30 Grad, bei der das Fett aktiv arbeitet.
Lithiumfett – Lithium wurde als Verdicker verwendet.