Die ersten Frostschutzmittel

Schaut man auf die Verkaufsflächen von Frostschutzmitteln, erscheint allen Verbrauchern eine breite Farbpalette. Über orange, blau, grün, gelb und sogar violette ist alles vorhanden. Dabei waren die ersten Kühlmittel in ihrer Zusammensetzung und Farbe völlig gleich. Sie alle basierten auf einem festen Verhältnis zwischen Ethylenglycol [EG] (auch „Glycol/Glykol“ genannt), Wasser und Zusatzstoffen. Das Silikat als Additiv etablierte sich dabei als wirkungsvoller Korrosionsschutz. Diese Flüssigkeit war zu seiner Zeit somit für jedes Automobil kompatibel und erfüllt seine Zwecke: Abkühlung des Motors und Gewährleistung des Wärmetransfers sicherstellen, vor Frost vorbeugen und das gesamte Kühlsystem vor Korrosion schützen.

Eine Weiterentwicklung der ersten Zusammensetzung führte dazu, dass der weniger toxische aber dafür kostenaufwendigere Stoff Polypropylenglycol  [PG] anstelle des EG verwendet wurde. Beide Kühlmittel unterscheiden sich somit nur in ihrer chemischen Grundkomponente.

 

Da beide Mittel Silikate enthalten, werden sie unter der Inorganic Acid Technology [IAT] (Anorganische Säure Technologie) gefasst. Diese Technologie verweist auf die Verwendung der anorganischen Silikatsäure. 

 

Wie funktioniert die Schutzfunktion des Kühlmittels?

Es wird eine Schutzschicht zwischen den Metalloberflächen und der Kühlflüssigkeit im Kühlsystem gebildet. Dadurch wird ein elektrischer Austausch zwischen unterschiedlichen Edelmetallen unterbunden und schützt vor Korrosion. Es verhindert die Entstehung von sogenanntem „Rotschlamm“. Dieser würde durch seine Ablagerung zur Verstopfung von Kanälen führen oder Oberflächen abschmirgeln und weitere Korrosion vorantreiben.

Das Problem der ersten Kühlmittel bestand jedoch darin, dass die Additive zur Schutzschichtbildung schnell abbauten und einen regelmäßiger Austausch (alle 3 Jahren oder 60.000 Kilometern) benötigten.  

 

 

Neue Form der Frostschutzmittel

Die Suche nach einem deutlich langlebigeren Kühlmittel begann. Durch die Verwendung organischer Säuren konnten jene Probleme gelöst werden. Die Grundbasen EG und PG blieben bestehen, jedoch wurden die Silikate (anorganische Säuren) durch organisch-chemische Mittel,  wie z.B. Caboxylat, ersetzt. Das erste Kühlmittel auf Basis der Organic Acid Technology [OAT] entstand. Als Besonderheit der neuen Formel gilt die silikatfreie Zusammensetzung. Organischen Säuren dienen nun als Korrosionsschutz. Durch eine verlängerte Nutzungsdauer des Kühlmittels von rund 5 Jahren oder ca. 240.000 Kilometern  wurden diese Kühlmittel auch unter den Namen „Long Life Coolant“ (LLC) oder „Extended Life Coolant“ (ELC) bekannt.

 

Allgemeinen Kühlmittel Standards

Wie beim Motorenöl sollten auch feste Produktstandards den Verbrauchern etwas Klarheit darüber verschaffen, welches Mittel passend für das eigene Fahrzeug ist. Verschiedene Farben oder Konzernstandards sollten globale Einheit schaffen.

 

Kühlmittelfarben als Standard

Ein weitverbreiteter Irrtum besteht immer noch darin, dass die Farbe des Kühlmittels generellen Aufschluss über die chemische Zusammensetzung gibt. Das ist falsch! Nicht jedes orangene Kühlmittel ist gleich ein Indikator für organische Säuren o.ä. Jeder Kühlmittelhersteller ist in der Farbgebung seiner Produkte völlig frei und losgelöst von gedachten Standards. Farben können lediglich bei einzelnen Herstellern auf verschiedene Basen hinweisen (*Siehe VW und BASF Produkte).

 

 

Kennzahlen als Standard

Global einheitliche Kennzahlen als Standard existieren nicht. Der deutsche Autobauer VW und der weltweit größte Chemiekonzern BASF entwickelten unabhängig voneinander eigene Standards für Kühlmittel. Diese haben sich bis heute am Markt etabliert und diesen vielen anderen Herstellern als Orientierung. Jedoch sind dieses Kennzahlen eben nicht institutionell zertifiziert.  

 

Dies Kühlmittel Standards im Überblick:

VW Standards:           G11, G12, G12+, G12++, G13

BASF Standards:       G48, G30, G40, G05, G33, G34

 

Unterschiedliche Standards bedeuten dabei nicht immer vollkommen andere Produkte. So verbirgt sich hinter dem G11 und G48 das identische Glykolgemisch mit anorganischen Säuren. Identisch sind dabei auch das G12+ und G30 sowie das G12++ und G40.

Eine weitere Aufschlüsselung der VW-Standards schafft genauere Einblicke.

 

VW- und BASF-Standards:

VW BASF Farbe Beschreibung
    G11       G48                    Grün/blaugrün  

 

Dieser Standard umfasst die Kühlmittel auf Basis anorganischer Säuren

G12   Rot/rosa

 

Volkswagens erstes Kühlmittel mit OAT-Standard (organisches Säuren) und somit ohne Silikate. Es herrschte jedoch Ungewissheit bei den Käufern, ob das G12 mit G11 gemischt werden durfte. Das darf es nämlich nicht! Durch dessen Vermischen entstehen aggressive Säuren und es kommt zum schnellen Verklumpen der Flüssigkeit. Überhitzungen und Schäden des Motors sind die Folgen.

G12+ G30 Rotviolett

 

Als Reaktion auf das Mischverbot zwischen den zuvor genannten Kühlmitteln, wurde das G12+ entwickelt. Frei von Silikaten, kann dieses jedoch unbedacht mit dem G11 und G12 vermischt werden

G12++ G40 Rotviolett

 

Als direkter Nachfolger vom G12+ wurde dieses in allen VW & Audi Fahrzeuge verwendet. Laut Hersteller besitzt es folgende Vorteile gegenüber dem Vorgänger: Besserer Korrosionsschutz, höherer Siedepunkt (135°C) und verbesserte Wärmeableitung

G13   Lila

 

Das  G12++ Kühlmittel auf Glykol-Basis wurde durch das verbesserte G13 auf Glycerin –Basis (produziert aus biologischen Abfallprodukten) hergestellte Mittel abgelöst. Der Vorteil liegt in der Umweltverträglichkeit und einer kostengünstigeren Herstellung

  G05 Gelb

Als spezielles Merkmal sticht hier die besondere Verträglichkeit mit Graugussmotoren hervor

  G33 Blaugrün

 

Hierbei handelt es sich um ein Spezialprodukt für die Automarken Peugeot und Citroen. Das siikatfreie Kühlmittel darf durch seine grüne/blaugründe Farbe jedoch nicht mit dem G11/G48 Produkt verwechselt werden

  G34 Orange

Das silikatfreie Spezialprodukt für General Motors und Opel

 

Weitere Unklarheiten bleiben. Was ist der genaue Unterschied zwischen beiden Freigaben? Welches Kühlmittel kann verwendet werden, wenn beide Freigaben nicht vom Hersteller empfohlen werden? Zudem produzieren große Autobauer eigene Kühlmittel ohne Kennzeichnungen (z.B. BMW verweist in Handbüchern auf das hauseigene Produkt, welches keine Inhaltsstoffe oder Standards kennzeichnet) oder definieren wiederum für sich Freigaben (z.B. Mercedes mit der Freigabe MB 325.0). Als weitere Beispiele gelten dabei Mopar Kühlmittel, Nissan Kühlmittel und Honda Kühlmittel. Eine Transparenz über dieses Durcheinander fehlt  gänzlich. Aus Herstellersicht ist dieser Weg allerdings recht lukrativ! Unabhängige Produzenten versuchen sich an Freigaben zu orientieren und beschriften die eigenen Produkte mit diesen Freigaben. Oder versuchen darauf hinzudeuten. 

 

Welches Kühlmittel kann ich für mein Auto kaufen?

Diese Frage stellt sich der Großteil aller Autobesitzer. Die einfachste Lösung wäre natürlich eine Fahrt in die nächstgelegene Werkstatt. Allerdings bieten diese nur in den aller seltensten Fällen Ersatz zu teuren Markenprodukten an. Das Fehlen weltweit geltender Einheitsstandards macht es im ersten Moment  schwer, sich die passenden Produkte heraus zu suchen. Unerlässlich bleibt der Blick in das Handbuch! Dort können die Fahrzeugbesitzer genauere Angaben zur benötigten Kühlflüssigkeit finden. Werden dort die benötigten Inhalte wie organische Säuren o.ä. aufgelistet, können Verbraucher sich auch an den Produktbeschreibungen unabhängiger Produktanbieter orientieren.

 

Konzentrat oder fertige Mischung 

Beim Kauf eines Kühlmittels besteht meist die Auswahl zwischen einem Konzentrat und einer fertigen Mischung. Beim Konzentrat handelt es sich um das pure Frostschutzmittel. Ein Auffüllen nur mit dieser Substanz wird nicht empfohlen. Beim reinen Kühlmittel wird der Gefrierpunkt zu früh erreicht und die Siedepunkttemperatur sowie Wärmeableitung reduziert. Ein Motorschaden ist die Konsequenz. Das pure Konzentrat sollte mit Wasser gemischt werden. Nicht jedes Wasser ist gleich, das sollte berücksichtigt werden. „Hartes“ Leitungswasser sollte nicht in das Kühlsystem geführt werden, da es schnell zu Ablagerungen kommt. Im Idealfall destilliertes und entionisiertes Wasser beifügen (finden Sie auch hier in unserem Shop). Das Mischverhältnis variiert dabei meist zwischen 60/40 und 40/60.

 

Warum kann man nicht gleich nur Wasser einfüllen? Diese Alternative ist nicht zu empfehlen! Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt würde das pure Wasser schnell gefrieren und sich ausdehnen. Schläuche können platzen und das Kühlsystem wird stark beeinträchtigt. Um erwähnte Problematiken aus dem Weg zu gehen, ist der Kauf einer fertigen Mischung ratsam. Diese weist das vom Hersteller angegebene Mischverhältnis auf und garantierte optimalen Frostschutz. 

 

Falsches Kühlmittel und seine Folgen

Durch die Wahl des falschen Kühlmittels entstehen schnell fatale Folgen. Metalle im Kühlsystem werden angegriffen, Korrosion entsteht und blockiert die Kühlung. Motorschäden sind die Folge. Auch das Mischen verschiedener Kühlmitteln ist nicht immer unbedenklich. Werden vom Hersteller ausschließlich Kühlmittel mit Silikaten empfohlen, sollte dies auch beherzigt werden. Das Beimischen anderer Additive kann schließlich den Korrosionsschutz verhindern und sogar umkehren.

 

Anwendungsbeispiele

Um die theoretischen Inhalte auch auf die Praxis anzuwenden, haben wir für Sie in die Handbücher von VW (Golf VII) und FIAT geschaut. Dort werden wichtige Informationen zur Kühlflüssigkeit genannt und erleichtert eine Suche anderer Kühlmittel.

 

VW (Golf VII):

VW Kuehlmittel kaufen

Beim Golf VII wird selbstverständlich der VW Kühlerfrostschutz G13 empfohlen. Wie schon zuvor erwähnt, orientieren sich anderen Hersteller an diesen Freigaben. Das Auseinandersetzen mit chemischen Stoffen entfällt. Als Ersatz wäre die Anwendung des Ravenol LGC Kühlerfrostschutz C13 zu empfehlen.

 

 

Fiat:

Fiat Kuehlmittel kaufen

 

Auch hier wird das herstellereigene Produkt empfohlen. Als Ersatz kann hier das Ravenol OTC Kühlerfrostschutzmittel Konzentrat C12+verwendet werden, da es den genannten Vorgaben entspricht. Auch weitere Kühlmittel, die den aufgelisteten Qualitätsmerkmalen der Flüssigkeit gerecht werden, sind anwendbar.

 

Fazit zum Thema Kühlmittel

Die zeitliche Entwicklung zeigt, dass das anfangs entwickelte Einheitskühlmittel sich stetig verändert hat. Neue Zusätze chemischer Stoffe und verschiedenste Farben sind heute charakteristisch für dieses Produkt. Das keine global geltenden Standards wie beim Motorenöl vorliegen, lässt die Verbraucher zu den Leidtragenden werden. Fehlende Angaben zu benötigten Inhaltsstoffen in Handbüchern oder auf Produkten der großen Hersteller, erschwert die Suche nach Ersatzprodukten. Die Vielzahl herstellereigener Freigaben macht es zusätzlich schwieriger. Wer sich aber einmal mit den Grundkomponenten des Kühlmittels auseinandersetzt, schafft etwas Klarheit. Wie in den beiden Beispielen aufgezeigt, bedarf es lediglich die Wahrnehmung einzelner Informationen, um adäquate Ersatzprodukte zu finden.

Falls Sie weitere Fragen zu dem Thema haben oder zu unseren Frostschutzmitteln haben, melden Sie sich einfach und wir kümmern uns schnellstmöglich darum.

Der Hersteller Glysantin verweist bei der Verwendung seiner Produkte auf die Tabelle der Glysantin Zulassungen. Die findet Ihr hier: 

http://www.glysantin.de/fileadmin/Files/Downloads/Folder/GLY_Approval_EVO1705_DE.pdf

 

Der Hersteller RAVENOL hat zusätzlich für seine Kühlmittel eine Übersicht erstellt, für welches Fahrzeug welches Ravenol-Kühlmittel vorgesehen ist:

 

Kühlmittel für PKWs:

Ravenol Kuehlmittel

Kuehlmittel Ravenol kaufen

Uebersicht Ravenol Kuehlmittel

Zu den Ravenol Kühlmitteln: www.ato24.de/ravenol/kühlmittel