Bremsflüssigkeit für das Ato

Die Bremsflüssigkeit wird nur in geringen Mengen benötigt und hat für viele Fahrzeughalter nicht denselben Status wie ein Motoröl. Trotz alledem übernimmt es eine ebenso wichtige Aufgabe - die bei der Bremsenbetätigung den hydraulischen Druck auf das Bremssystem zu übertragen. Ohne Druckübertragung gäbe es also keine Bremswirkung. Um diese einwandfrei garantieren zu können, gilt es auch hier die richtige Bremsflüssigkeit zum richtigen Zeitpunkt auszutauschen.

 

Bremsflüssigkeit wechseln: Wie oft und warum?

Die Wechselempfehlungen der Fahrzeughersteller variieren zwischen 1-3 Jahren – unabhängig der Fahrleistung. Die genaue Angabe dazu lässt sich im Fahrzeughandbuch wiederfinden. Diese Frist sollte allerdings nicht sorglos abgewartet werden. Denn die Bremsflüssigkeit ist stark hygroskopisch, das bedeutet, es nimmt automatisch Wasser auf – wie Luftfeuchtigkeit – und verliert damit an Wirkung.

 

Das Behältnis der Bremsflüssigkeit bei Autos kennzeichnet sich durch seine Transparenz. Ein Prüfstab oder ein Blick ins Innere ist demnach nicht von Nöten, um den Flüssigkeitsstand zu prüfen. Ein wiederholendes Öffnen des Behältnisses würde dazu führen, dass die Bremsflüssigkeit aus der Luft Feuchtigkeit aufnimmt. Gleiches gilt natürlich bei Haarrissen in der Bremsleitung. Insgesamt führt dies zu einer Herabsetzung des Siedepunktes der Bremsflüssigkeit. Neue Fahrzeuge nutzen derweil Sensoren, die den Fahrer auf einen notwendigen Wechsel hinweisen.

 

Bremsflüssigkeit nachfüllen

 

Siedepunkt der Bremsflüssigkeit

Ein Siedepunkt beschreibt eine Temperatur, bei der eine Flüssigkeit zu kochen beginnt. Bei der Bremsflüssigkeit wird zwischen dem Trocken- und Nasssiedepunkt unterschieden. Der Trockensiedepunkt bezieht sich auf den Siedepunkt der reinen und unvermischten Bremsflüssigkeit. Der Nasssiedepunkt beschreibt folglich den Siedepunkt, sobald sich die Bremsflüssigkeit mit Wasser vermischt hat. Liegt der Wasseranteil bei 3-3,5%, ist der Nasssiedepunkt erreicht. Ein Wechsel der Bremsflüssigkeit sollte umgehende durchgeführt werden.

 

Der Wechsel sollte nicht aufgeschoben werden, da durch das Wasser bei Betriebstemperaturen (bis zu 260 Grad; genauer Angaben sind in der folgenden Tabelle zu entnehmen) Dampfblasen in der Bremsflüssigkeit entstehen. Ein kurzzeitiger Totalausfall der Bremshydraulik droht. Korrosionen im Bremssystem (Bremsleitung, Bremskolben & Bremszylinder) entstehen ebenfalls.

 

Der aktuelle Siedepunkt der Bremsflüssigkeit kann in Werkstätten mittels eines Testgerätes ermittelt werden. Eine solche Prüfung sollte jährlich durchgeführt werden. Ein weiteres Indiz, wann die Bremsflüssigkeit gewechselt werden sollte, ist die Farbe. In der Originalverpackung noch leicht gelblich und transparent, verändert sich diese über die Zeit. Eine braune Farbe ist ein deutliches Wechselzeichen. Der Hinweise, welche Bremsflüssigkeit das Fahrzeug benötigt, ist in der Regel auf dem Schraubverschluss des Behälters zu finden.

 

 

Viskosität der Bremsflüssigkeit

Nicht nur der Siedepunkt bildet ein wichtiges Merkmal. Auch die Viskosität ist entscheidend. Diese erscheint in Form der Angabe „DOT“ (United States of Transportation). DOT 3, DOT 4, DOT 5 und DOT 5.1 bilden die unterschiedlichen Viskositäten.

 

DOT3 ist eine Bremsflüssigkeit für ältere Fahrzeuge. DOT4 verfügt über einen hohen Siedepunkt und findet in neueren Fahrzeugen Verwendung und ist deutlich Dünnflüssiger. Grund dafür sind elektronisch geregelte Bremssysteme wie ABS und ESP. In diesen Bremssystemen müssen feinste Bohrungen und Kanäle geschmiert werden und benötigen deshalb eine besonders dünnflüssige Bremsflüssigkeit.

 

Die DOT 5 Bremsflüssigkeit nimmt eine Sonderstellung bei den Bremsflüssigkeiten ein. Sie wird vorwiegend für amerikanische Autos und Motorräder (bspw. Harley Davidson) verwendet und wird auf Silikonbasis hergestellt. Die DOT 5.1 Bremsflüssigkeit eignet sich vor allem für den Rennsport und andere Situationen, bei denen extreme Temperaturen entstehen. Da es nicht hygroskopisch ist, besitzt es keinen Nasssiedepunkt und erreicht bei extremen Temperaturen nicht so schnell den Siedepunkt. Durch diese Eigenschaften besitzt es zudem eine längere Einsatzdauer.

 

DOT 4, DOT 4 und DOT 5 Bremsflüssigkeiten können miteinander gemischt werden. Dass sich der Siedepunkt dabei verändert, sollte allerdings berücksichtigt werden. Bei Oldtimern empfiehlt es sich vorsichtiger zu sein, da das DOT 4 die alten Gummidichtungen stärker angreift. Eine DOT 5.1 Bremsflüssigkeit sollte niemals mit anderen Bremsflüssigkeiten gemischt werden! Flockenbildungen und Systemverstopfungen können entstehen.

 

Genauere Angaben der jeweiligen Siedepunkte finden sich hier:

 

 

  Trockensiedepunkt in °C Nasssiedepunkt in °C
DOT 3 205 140
DOT 4 230 150
DOT 5.1 260 180

 

Da DOT 5 nicht hygroskopisch ist, bedarf es keiner Unterteilung in Trocken- und Nasssiedepunkt. Diese Tabelle gilt zudem als grober Maßstab von Siedepunkten. Eine Bremsflüssigkeit wie das Ravenol R325+ mit DOT 5.1 weist nämlich mit einem Siedepunkt von 325 °C eine extrem seltene Temperaturresistenz auf. Speziell für den Rennsport entwickelt, liegt es über den eigentlichen Standards und verhindert Bremsproblematiken.

Ravenol BremsflüssigkeitRavenol DOT4 BremsflüssigkeitMercedes Benz Bremsflüssigkeit

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bremsflüssigkeit entsorgen

Die Bremsflüssigkeiten DOT 3, DOT 4 und DOT 5.1 sind ätzend und giftig. Deshalb sollte bei Arbeiten mit diesen Flüssigkeiten immer besondere Vorsicht gewährt werden. Ansonsten kann es zu Hautverätzungen oder auch Lackschäden an Fahrzeugen kommen. Diese Eigenschaft verbietet zudem das Vermischen und Entsorgen mit Altöl. DOT 5 Bremsflüssigkeiten sind durch ihre Silikonbasis nicht ätzend. Allerdings hinterlassen sie einen starken Schmierfilm und sollten deshalb nicht auf die Bremsbeläge geraten.

 

Beim Entsorgen alter Bremsflüssigkeit stehen 2 Entsorgungsmöglichkeiten zur Verfügung. Als erste gilt die Rückgabe der Bremsflüssigkeit dort, wo die neue gekauft wurde. Andernfalls bieten sich Entsorgungshöfe zum fachgerechten Entsorgen an.

 

Bremsflüssigkeit für Motorräder

Die Behältnisse bei Motorrädern sind im Vergleich zu Autos nicht völlig transparent, da sie bei Stürzen zerbrechen können. Seitlich am Lenkrad sowie im hinteren Teil finden sich diese wieder. Eine kleine Scheibe bieten im vorderen Behältnis die Möglichkeit, Farbe und Messstand einzusehen. Ein Unterschied zwischen einer Bremsflüssigkeit für Motorräder und Autos existiert hingegen nicht. Einzelne Hersteller nutzen lediglich aus Marketinggründen die Bezeichnung einer reinen Motorrad Bremsflüssigkeit. In der Regel ist eine Bremsflüssigkeit für beide Varianten zulässig.