0W-8 Motoroele

Die japanische Institution Japanese Automobile Manufacturers Association (kurz: JAMA) möchte für den asiatischen Markt in Kürze eine neue Spezifikation für niedrigviskose Motoröle auf den Weg bringen. Bekräftigt durch die bisherigen Pioniererfolge im Bereich der dünnflüssigeren Öle, soll die neue Spezifikation im April 2019 amtlich werden und die Viskosität 0W-8 mit einschließen. So zumindest der Wortlaut auf der F+L Week 2017 in Singapur.

 

Der Weg zum 0W-8 Motoröl

Ravenol 0W-16

Der japanische Verband ist bekannt für seine innovativen Adaptionen. Ihr Vorhaben wird aufgrund steigender Nachfragen von CO2-Einsparungen und neuer Emissionsauflagen unterstützt. Vor allem in Asien werden die umweltspezifischen Auflagen zunehmend strenger.

Das Motoröl erfüllt eine Vielzahl von Aufgaben. Eine davon ist die Reibungsminimierung. Niedrigere Viskositäten reduzieren zunehmend die Reibung und fördern zugleich die Kraftstoffeffizienz. Vor allem die Automobilhersteller aus Fernost bekunden regelmäßig ihr Interesse an solchen Motorölen.

Laut offizieller Stellungnahme Toyotas sei bisher eine Vielzahl aktuell betriebener Motoren in der Lage, niedrigviskose Motoröle zu verwenden. Darunter werden bspw. 0W-205W-20 und 5W-30 Motoröle gezählt. Toyota, Nissan und Honda führen  zudem erste 0W-16 Motoröle ein. Eine Viskosität, die sich zudem auch im europäischen Markt zunehmender Beliebtheit erfreut. Der deutsche Ölhersteller Ravenol hat in diesem Zusammenhang sogar das weltweit erste API lizensierte und freigegebene Motoröl (Ravenol Extra Fuel Economy EFE 0W-16) mit der 0W-16 Viskosität auf den Markt gebracht (mehr dazu hier). Der Gedanke um eine 0W-8 Viskosität lag somit nicht fern. Toyota spricht derweil von einem „signifikantem Interesse“ an der neuen 0W-8 Spezifikation und Viskosität.

 

Wie entstehen die niedrigen Viskositäten?

Das American Petroleum Institut (kurz: API) unterteilt die Basisöle von Motorölen in 5 Gruppen. Die Gruppe 3, zu der hochausraffinierte Hydro-Crack-Öle gehören, war zuletzt das Schlüsselelement, um die 0W-20 Viskosität zu kreieren. Seither nutzt ein Großteil der asiatischen Raffinerielandschaft Basisöle der Gruppe III. Diese sind zudem eine kostengünstigere Alternative zu den synthetischen Basen wie Polyalphaolefine (PAO). Zwar weisen die synthetischen Basen eine höhere Qualität auf, jedoch sind die asiatischen Raffinerien in der Lage, mittels der Gruppe III und sogar Gruppe II Basisöle, Motoröle herzustellen, die den gängigen Anforderungen ihrer Klasse weit übertreffen.

 

Werden die 0W-8 Motoröle eine Seltenheit sein?

Die Herstellung der 0W-8 Motoröle scheint alles andere als begrenzt zu sein. Die jeweiligen Raffinerien könnten aktuell mehr niedrigviskose Motoröle auf Gruppe III Basisölen herstellen, als es der Markt aktuell nachfragt. Aus diesem Grund könnte der gesamte asiatische Markt in kürzester Zeit mit den 0W-8 Motorölen bedient werden.

 

Das Problem der 0W-8 Motoröle

Das große Problem ist lediglich ein Zeitfaktor. Und zwar jener zwischen der Motorentechnologie und einer institutionellen Spezifikationsfreigabe. Bis eine neue Spezifikation freigeben wird, können bis zu 7 oder auch 10 Jahre vergehen. In dieser Zeit entwickeln sich die Motoren und Motoröle aber bereits weiter und erzielen neue Viskositäten und Technologien. Aus diesem Grund erscheinen die neuen Viskositäten immer vor ihren passenden Spezifikationen. Wen wundert es also, dass das erste 0W-20 Motoröl bereits vor über 30 Jahren entwickelt wurde?!

Um diesen immensen Zeitdifferenzen zu begegnen, soll die erste 0W-8 Spezifikation nun im April 2019 auf den Markt gebracht werden. Gelingt dies, würde eine neue Dynamik im Bereich innovativer Viskositäten und Spezifikationen in Gang gebracht werden. Die neue Spezifikation für 0W-8 Motoröle soll zudem die Bezeichnung ILSAC GF-7B tragen. Aber damit nicht genug, denn es wird bereits an einer neuen Diesel Spezifikation gearbeitet, der JASO DL-0. Mit dem Ziel, niedrigere Viskositäten auch für Dieselmotoren (vor allem Kleintransporter) voranzutreiben und die Schadstoffreichen Diesel Motoröle mit hohen Viskositäten den Kampf anzusagen.